Aktion an der Helene Weber Schule zur Prävention

Gastredner berichtet über seinen schweren Kampf aus der Sucht heraus

 

Nichts ist zerbrechlicher als die junge Seele eines Kindes. Fallen mehrere Faktoren wie ein Hammer auf diese zarte Seele ein, zerbricht diese. Das Gefühl von Wertlosigkeit, Einsamkeit und die Sehnsucht nach Geborgenheit und Akzeptanz führen zu einer inneren Ohnmacht, die die Selbstwahrnehmung eines jeden Menschen umgibt und führt. Und ist diese erst getrübt, wird diese junge Seele anfälliger von dem richtigen Weg abzukommen.
So erging es auch dem Gastredner, der in der zweiten Einheit des Suchtpräventionsprojektes „Drogen – Wenn die Neugierde zur Abhängigkeit wird“ den Schülern der 2KVAB1 und 2 der Helene- Weber- Schule in Bad Saulgau einen Einblick in seinen Kampf gegen die Abhängigkeit gewährte. Die Schülerinnen und Schüler hörten aufmerksam, teils geschockt zu, wie leicht es doch ist in die Welt der Abhängigkeit zu geraten und welchen enormen Kraftaufwand und Willen es bedarf, sich aus dieser Abhängigkeit herauszukämpfen.
 
Der erste Kontakt ist zumeist einfach, denn das Verlangen nach Dazugehörigkeit senkt so manche persönliche Hemmschwelle. Sei es die erste Zigarette um zu den Coolen der Klasse dazuzugehören, sei es das erste Bier, weil man zu den großen dazugehören möchte oder sei es der erste Joint, weil man einer von den „Rebellen“ sein will. Und ehe man sich versieht, ist die Abwärtsspirale in die Abhängigkeit in vollem Gange. Auch unser Gastredner, der durch die Schulsozialarbeiterin Lucia Biniecki und die Suchtberatungsstelle Sigmaringen gewonnen werden konnte, berichtet, dass der Einstieg mit einer Zigarette begann. Auf die Zigarette folgte der Alkohol, auf den Alkohol der erste Joint, auf den ersten Joint folgte das Verlangen nach mehr. An diesem Punkt angekommen zählt nur noch eins: Seinen eigenen Bedarf zu decken, seine eigene Sucht zu stillen. Schule, Ausbildung und Arbeit geraten in den Hintergrund. Ständige Konfrontationen von Freunden und Familie werden lästig, denn man selbst empfindet seine eigene Sucht nicht als Abhängigkeit. Abhängigkeit bedeutet Kontrollverlust. Aussagen wie „ich bin nicht süchtig. Ich kann jederzeit damit aufhören“ oder „ich habe alles unter Kontrolle“ werden zu ständigen Begleitern in der Konfrontation mit dem eigenen Umfeld. Doch wer kontrolliert wen? Der Konsument den Konsum oder der Konsum den Konsumenten? Bis diese Frage selbst beantwortet werden kann, ist ein langer Prozess notwendig. Für den Gastredner war zu diesem Zeitpunkt klar, dass er kein Problem habe. Er habe es sich selbst nicht eingestehen wollen und dennoch brauchte er täglich einen bestimmten Pegel um den Tag zu überstehen. Und so rutschte er immer weiter auf der Abwärtsspirale herunter bis er zur Einsicht kam, am persönlichen Abgrund angekommen zu sein. Heute kann er sagen, dass er von seiner Sucht abhängig war. Und zurecht kann er mit Stolz sagen, dass er sich gegen die Sucht gestellt, die physischen und psychischen Schmerzen während der Entgiftung ertragen und sich ein neues Leben erarbeitet hat.

Insbesondere der Weg aus der Abhängigkeit heraus fesselte die Schülerinnen und Schüler der 2KVAB1 und 2, der als besonders schmerzhaft und Kräfte zerrend beschrieben wurde. Rückschläge während und nach der Entgiftung ließen den Gastredner immer wieder an sich zweifeln. Zuspruch und Mut bekam er durch die unterstützende Hand der Suchtberatungsstelle in Sigmaringen, die ihn während seines gesamten Kampfes ununterbrochen begleitete und ihm immer wieder zu neuem Antrieb verhalf. Diesem Kampf brachte die 2KVAB1 und 2 höchste Wertschätzung entgegen und bedankte sich für die persönlichen und emotionalen Einblicke, die der Gastredner durch seine Bereitschaft, von seinem Kampf aus der Sucht heraus zu berichten, ermöglichte.

Lucia Biniecki, Sozialpädagogin (B.A.)
Schulsozialarbeiterin am Berufsschulzentrum Bad Saulgau

SKOLL

SKOLL ein Selbstkontrollprogramm zur Einschätzung des eigenen Konsums und zur Begleitung einer Veränderung.

!0 Abende, max. 8 Teilnehmende, Kosten werden größtenteils von Ihrer Krankenkasse übernommen.

Im Augenblick läuft ein Kurs.

Aktuelle Informationen und Anmeldung in unserem Sekretariat unter 07571 4188

Das Seminar findet in unseren Räumen in der Suchtberatungsstelle, Karlstrasse 29, in Sigmaringen statt.

ULA Tagung am 17.5.2017

 

Lokales

Nicht nur Teenager sind vermehrt alkoholsuchtgefährdet

Dr. Friedemann Hagenbuch spricht bei AGJ-Fachtagung über „Sucht im Alter“:


Dr. Friedemann Hagebuch referiert im Gemeindehaus St. Fidelis über Sucht im Alter.
Dr. Friedemann Hagebuch referiert im Gemeindehaus St. Fidelis über Sucht im Alter.

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Sigmaringen sz Sucht im Alter ist ein Problem, das in der Gesellschaft häufig nicht als solches gesehen wird. Zu diesem Thema hat die AGJ Suchtberatung Sigmaringen deshalb am Mittwoch im Gemeindehaus St. Fidelis einen Fachtag mit Workshops und ein Theaterstück für Fachkräfte der Region veranstaltet. Im Mittelpunkt stand ein Referat des Chefarztes für Suchtmedizin vom Zentrum für Psychiatrie Emmendingen, Dr. Friedemann Hagenbuch.

Er informierte die Teilnehmer, die sowohl aus der Ärzteschaft, als auch aus dem ambulanten Dienstsektor oder der Nachbarschaftshilfe kamen, über Ursachen, Erscheinungsformen, Fallbeispiele und Behandlungsmöglichkeiten von suchtkranken Senioren und zeigte auch Vorurteile auf, mit denen Behandelnde, Betroffene und Helfer oftmals konfrontiert sind. Der Fachtag ist Teil des Projekts „Unabhängigkeit und Lebensqualität im Alter“ (Ula) und wurde vom Suchthilfe- und Pflegenetzwerks des Landkreises unterstützt.

Alkoholabhängigkeit ist laut Hagenbuch bei älteren Menschen ebenso Thema wie Medikamentenabhängigkeit, letztere stellt sogar mit Abstand die häufigste Sucht im Alter dar. Viele Patienten würden mit verschiedenen Präparaten, verordnet von unterschiedlichen Ärzten, behandelt, die selten miteinander in Austausch stünden. So könne der Überblick und somit eine Sensibilisierung für eine drohende Abhängigkeit verloren gehen. „20 Prozent der über-70-Jährigen erhalten mehr als 13 verschiedene Wirkstoffe“, erklärt der Arzt. Außerdem seien einheitliche Leitlinien und Behandlungsstandards von Nöten.

Im Vergleich zum Jahr 2000 wurde im Jahr 2009 eine 180-prozentige Steigerung von Alkoholintoxikationen von Senioren in Krankenhäusern festgestellt. „Sie sind in bester Gesellschaft mit den Teenagern“, sagte Hagenbuch. Ausschlaggebend sei neben dem demografischen Wandel („jeder Vierte in Deutschland ist über 65“) auch eine Fülle von körperlich-chronischen wie psychischen Leiden, die nicht immer fachgerecht therapiert würden.„Die Generation der heutigen Senioren ist älter geworden und hat viele Handicaps“, so der Chefarzt. „Medikamente wie Valium sollten nie ,nach Bedarf’ und über längerem Zeitraum verabreicht werden“, appellierte Hagenbuch an die Ärzte und schilderte einen Fall, bei dem eine 65-Jährige, die ihre kranke Mutter pflegte, seit 15 Jahren jeden Abend eine Schlaf- und Beruhigungspille einnahm. Fünf Prozent der Krankenhauseinweisungen gehen laut Hagenbuch auf einen Fehler in der Arzeimitteltherapie zurück. „Das ist ein echter Kostenfaktor“, so Hagenbuch. Gleichzeitig findet der Arzt: „Die derzeitige Weiterbildungsstand der Ärzte wird dem demografischen Wandel nicht gerecht.“ Zugleich müsse in der Genderforschung mehr erreicht werden um herauszufinden: „Sind Frauen das betäubte Geschlecht?“ Immerhin würden Frauen häufiger unter Depressionen und Angststörungen leiden, was eine Ursache für Sucht sein kann.

Der Arzt beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit dem Thema Sucht und Prävention im Alter. Beim Vortrag kritisierte er, dass das Thema weder Bestandteil der Forschung, noch des Medizinstudiums ist und auch nicht im Bericht des Bundesdrogenbeauftragten auftaucht.

Offenheit in der Helferszene, Empathie und Respekt gegenüber Betroffenen, seien wichtig, legte er dem Publikum an Herz. Außerdem sollten sich Helfer wie das kommunales Suchthilfenetzwerk, die Alten-, Sucht- und Selbsthilfe sowie kirchliche Seelsorger zusammenschließen und das Problem gemeinsam angehen. Hagenbuch: „Psycho- und suchttherapeutische Arbeit lohnt sich, auch bei Senioren.“ Zudem bedürfe es nicht immer eines Ersatz-Suchtstoffs. „Wir Deutsche kennen nur die Devise ganz oder gar nicht, aber eine Reduzierung des Alkohol- oder Medikamentenkonsums kann schon helfen.“

Das Ziel müsse eine Verbesserung der Lebensqualität von Betroffenen sein, denn das Gefühl fehlender Sinnhaftigkeit des Lebens und die Sucht seien eng miteinander verknüpft. „Woraus ziehen Betroffene die Kraft, trocken zu werden, wenn nicht aus einer sinnvollen Aufgabe oder dem Gefühl, wichtig zu sein?“. Auch Helfer und Fachkräfte sollten sich dies laut Hagenbuch zu Herzen nehmen und ihre „Akkus“ regelmäßig bei Hobbys volltanken.

 

Projekt Ausfahrt

Im Projekt Ausfahrt können Sie Ihren Konsum unter fachlicher Anleitung reflektieren. Sie bekommen Hilfe, wenn Sie zu der Entscheidung gelangen, dass Sie Ihren Konsum verändern wollen oder müssen.

Bitte vereinbaren Sie vorher einen Einzelgesprächstermin mit unserem Fachkollegen Herrn Rockenstein. Telefon: 07571 4188

Kursbeginn: Freitag, 21.04.2017, 9:30 bis 11:00

Weitere Termine: weitere 5 Sitzungen in Folge, jeweils freitags von 9:30 – 11.00 Uhr

 

Unabhängigkeit und Lebensqualität im Alter

Unabhängigkeit und Lebensqualität im Alter

In der Gesprächsgruppe für Frauen und Männer ab 60 ist ein Austausch im selben Lebensabschnitt und vergleichbaren Erfahrungen mit Suchtmitteln ( Alkohol, Medikamente usw.) möglich. Dies kann entlastend und motivierend sein.

Die fortlaufende Gruppe im Rahmen unseres Projekts ULA trifft sich
immer mittwochs von 15:00 bis 16:00

Treffpunkt ist die Suchtberatungsstelle Sigmaringen, Karlstrasse 29.

 

Angehörigenseminar

plakat-lebensluege1.Seminar:

Beginn am Mittwoch 22.03.2017 um 9:00, Dauer 2 Stunden, Folgetermine 29.03., 5.04., 12.04., jeweils von 9:00 bis 11:00 Uhr

2.Seminar:

Beginn Dienstag, 02.05.2017 um 18:00, Dauer 2 Stunden, Folgetermine 09.05., 16.05., 23.05., jeweils von 18:00 bis 20:00 Uhr

Das Seminar findet in der Suchtberatungsstelle Sigmaringen, Karlstrasse 29.

Anmeldung bitte unter 07571 4188

Führerscheinseminar

mpu-grossDemnächst beginnt ein neues Führerscheinseminar in den Räumen der Suchtberatungsstelle.

Bitte vereinbaren Sie vorher einen Einzelgesprächstermin mit unserem Fachkollegen Herrn Rockenstein.

Kursbeginn: Beginn Freitag 21.04.2017, 14:00

Weitere Termine: weitere 5 Sitzungen in Folge, jeweils freitags von 14.00 – 17.00 Uhr

Anmeldung unter 07571 4188

 

Raucherentwöhnungsseminar in Kooperation mit der AOK

Raucherentwöhnungsseminar in Kooperation mit der AOKWir bitten um vorherige Anmeldung bei der AOK Sigmaringen oder in unserem Sekretariat.

das aktuelle Seminar geht gerade zu Ende.

Kursbeginn: Der nächste Kurs beginnt im Herbst 2017 in den Räumen der Suchtberatungsstelle. Sie können sich jetzt schon anmelden.

Der Kurs besteht aus 6 Abenden, die weiteren Treffen finden zur gleichen Zeit, immer um 18:30 Uhr an den nachfolgenden Montagen statt.

                                                      Anmeldung unter 07571 4188